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Die Menge

Frank Balves fotografische Serie „Die Menge / Working Class“ spielt mit der klassischen Metapher zweier verschmelzender Körper, allerdings klingt das damit verbundene romantische Liebesbild hier nurmehr als überkommenes Ideal an. Die sepiaartig getönten Aufnahmen im Format 2,63 x 2,00 Meter zeigen vor dunklem Hintergrund jeweils zwei nackte Torsi, die sich in Haltung und Form gleichen. Auf den ersten Blick scheint es sich um Spiegelungen zu handeln, allerdings erweist sich dieser Eindruck als falsch. An manchen Stellen verschmelzen die Gestalten, ihre Grenzen fließen ineinander. An anderen Stellen verschwimmen die Konturen, der Körper wird zur abstrakten Form. Ebenso ungewiss ist auch das Geschlecht der Abgebildeten: Köpfe und Geschlechtsteile sind nicht sichtbar, die Haut ist bis in den Schambereich rasiert, bis auf wenige Ausnahmen sind die Formen androgyn. In technischer Hinsicht handelt es sich um Montagen von Körperteilen verschiedener Individuen, die am Computer collagiert und nachbearbeitet werden. Mit ihrem – aus der Unklarheit resultierenden – gespenstischen Charakter lassen die Bilder an Aufnahmen aus der Frühzeit des Mediums denken, etwa an spiritistische Fotografie oder frühe Röntgenbilder. Auch Assoziationen an den medizinischen Bereich kommen auf, an ausgemergelte Kranke oder siamesische Zwillinge. Die modischen Piercings und Tätowierungen lassen jedoch den Schluss zu, dass es sich um Menschen handelt, die einem gegenwärtigen Schönheitsideal zu entsprechen suchen. Sie erscheinen als Anhänger eines narzisstischen Körperkultes, der sowohl Geschlecht als auch Individualität negiert. SO