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Fragment

Mit „Fragment“ greift Frank Balve erstmals das Thema der Erinnerung auf. Formal handelt es sich bei der begehbaren Installation um eine Neu-Konstruktion aus Teilen der zerstörten Re- Konstruktion eines Raumes, den Balve in Anlehnung an persönliche Erinnerungen geschaffen hatte. Die Fragmente wurden zu einer Folge von drei Räumen neu zusammen gesetzt, wobei ihre ursprüngliche Kohärenz verloren ging. Von Zimmer zu Zimmer verringert sich die Zahl der Koordinaten, gleich einer verblassenden Erinnerung, die zunehmend bruchstückhafter wird, bis sie sich schließlich auf wenige unzusammenhängende Bilder reduziert. Die Kombination von plastischen Elementen, bewegten Videobildern, Fotografien und verstörenden Klängen gleicht dabei dem multimedialen Charakter von Erinnerungen, die bildhafte Elemente, filmartige Szenen, Geräusche und vor allem Gefühle umfassen können. Eine Schlüsselfunktion kommt den Fotografien und Videos zu, die auf frühere Ereignisse in diesen Räumen verweisen. Sie zeigen einen weiblichen und einen männlichen Protagonisten in der noch intakten Kulisse. Die surrealen, alptraumhaften Bilder suggerieren düstere Assoziationen an individuelle Ängste und Gewaltszenarien.

Der Ort erscheint aufgeladen mit den Energien vergangener Ereignisse, die vom Betrachter nachempfunden oder imaginiert werden, vielleicht auch mit eigenen Erinnerungen verwoben. Ein beunruhigendes Gefühl stellt sich ein, eine Irritation, ähnlich den Nachwirkungen eines Alptraums. Der überzogen dargestellte Verfall und die identitätslosen Körper mit ihren verschwommenen Gesichtern verleihen der Arbeit zudem eine metaphorische Dimension: Das verwahrloste Abbruchhaus wird zum Sinnbild für die menschliche Psyche, für die unkontrollierbaren Prozesse unserer Erinnerung.